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Wunderfrau!

Wonder Woman

Puh – als Gal Gadot Ende 2013 als neue Wonder Woman präsentiert wurde, war ich skeptisch. Ein Model, welches bislang nur für Kurzauftritte in stumpfen Hochglanzproduktionen wie Knight & Day oder der Fast & Furious-Reihe vor der Kamera stand, sollte eine äußerst wichtige Figur im DC-Universum verkörpern?
Ich war mir sicher: Das wird nix. Es geht nur um den Look, die Figur wird nur Kurzauftritte in Justice League & irgend einem anderen Film haben und das war’s gewesen.
Um ehrlich zu sein: Nach Batman vs. Superman (Review im Blog) fühlte ich mich bestätigt – Ja, Gadot fiel nicht negativ auf, konnte jedoch auch nicht durch eine sonderbar große Präsenz glänzen.

Jetzt weiß ich – das lag am Drehbuch. Es MUSS am Drehbuch (ich bin immer noch auf der Suche nach dem Schreiberling!) gelegen haben – denn Gal Gadot ist wunderbar.
Ich mag jetzt vielleicht schon etwas vorwegnehmen, dennoch muss ich es loswerden: Gal Gadot überzeugt vor allem angesichts ihres Hintergrunds und ihrer noch mangelnden Erfahrung vor der Kamera auf ganzer Linie und ist eine wahre Schau.
Es ist schwer zu sagen ob sie wirklich über solch ein unfassbares Charisma verfügt, oder ob Regisseurin Patty Jenkins einfach perfekt geplant hat, diese Frau in Szene zu setzen – doch es funktioniert.
Und wie!

Aber kommen wir von der vorweggenommenen Schwärmerei zurück zur Kurzbeschreibung:

Diana wächst behütet auf der Insel Themyscira auf, welche von Zeus für die Amazonen erschaffen wurde. Die Amazonen stellen im DC-Universum so etwas wie die Kaufhauscops der Menscheit dar, kommen in den letzten Jahrhunderten ihrer Aufgabe aber nicht so richtig nach und verpassen, umwoben von dickem Nebel und viel Ozean, einen Krieg nach dem anderen. Bis Chris Pine in seiner Rolle als Steve Trevor auf der Insel strandet und die Amazonen über den tobenden Ersten Weltkrieg unterrichtet.
Entschlossen, dem Kriegsgott Ares und seinen Machenschaften ein Ende zu setzen, begleitet Diana den US-Offizier an die Front und lernt neben den Schrecken des Krieges auch noch wie man sich im frühen 20. Jahrhundert kleidet.
So banal die Story erstmal klingt, so angenehm einfach ist sie. Eine willkommene Abwechslung, wenn man sich die häufig böse verkopften Superheldenfilme dieser Tage in’s Gedächtnis ruft.

Die Darsteller funktionieren bis auf wenige Ausnahmen wirklich sehr gut. Nach den ersten Kommentaren zum Film hatte ich bereits befürchtet, Chris Pine könnte zu einer Art “romantic comic-relief” werden, und die sexuelle Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren in’s Lächerliche oder Unglaubwürdige ziehen – Fehlanzeige.
Gadot spielt sehr gut, Pine spielt hervorragend, die Nebendarsteller sind zum Teil etwas anstrengend, erhalten aber sowieso relativ wenig Leinwandzeit.
Leider funktioniert eine Figur des Films überhaupt nicht – und ist damit auch mein Hauptkritikpunkt am Film –  und das ist Bösewicht Ares.
Die Figur wird Opfer eines merkwürdigen Twists, und durch ihre Körperlichkeit wird ihr meiner Meinung nach viel von ihrer mystischen Bedrohung  genommen.
Natürlich macht es Spaß, wenn Wonder Woman dem Kriegsgott auf die Schnauze gibt. Wie schon die Actionszenen in den ersten 2/3 des Films ist das technisch hervorragend umgesetzt, besitzt eine gewisse szeneninterne Dramaturgie und ist toll anzusehen.
Aber wäre es nicht schöner gewesen Ares als bösen Puppenspieler aufzubauen, der den Menschen zwar die nötigen Kriegswerkzeuge in die Hände gibt, selbst aber aufgrund seiner körperlichen Schwäche im Hintergrund bleibt? Ähnlich wie es bei Voldemort in der Harry-Potter-Reihe getan wurde?
Statt Ares zum Schwertschwingenden Obermotz zu machen – warum kann er nicht existieren, weil der Mensch ein kriegstreibendes Wesen ist? Wieso muss ein Kampf beendet werden, wenn doch der ständige Kampf und Zweifel einer nach Frieden strebenden Frau so viel fesselnder für die Zukunft wäre?

So wird auch die Metapher des Films, nämlich das Krieg schrecklich ist, weil der Mensch schrecklich ist, deutlich schwächer.
Generell funktioniert diese Botschaft nur bedingt – man merkt schon: Krieg soll hier nicht cool, nicht heroisch sein.
Wenn Diana jedoch an der Frontlinie das Feuer auf sich zieht, damit ihre Mitstreiter zu heroischer Musik völlig entsetzte deutsche Soldaten erschießen und mit dem Bayonett aufspießen dürfen, fühlt sich das falsch an.
Tatsächlich tötet die Amazonenprinzessin im Film anfangs nur, wenn ihr Leben unmittelbar in Gefahr ist, was dann auch durch die Dialoge unterstrichen wird.
Später tötet sie in einer Schlüsselszene aus reiner Wut – Ares hält dazu sogar einen Monolog, der schwer nach Darth Vader klingt.
Diese potentiell sehr bedeutungsschwangere Szene ist durch die Ereignisse zuvor jedoch total entschärft – schade, Pulver verschossen.

Um es zusammen zu fassen:
Wonder Woman ist ein technisch hervorragend inszeniert Film mit grandiosen Hauptdarstellern und wunderbar simpler Geschichte.
Der Film hätte ein Superhelden-Meisterwerk sein können, wäre da nicht die dramaturgische Konsequenzlosigkeit und ein schwacher Bösewicht – so rettet er aber “wenigstens” das DC-Universum vor der filmischen Unbedeutsamkeit.

Und jetzt will ich mehr Gal Gadot!

 

PS: Lieber Zack Snyder – So funktioniert gut gemachte Slow Motion!

 

Vares
“Verbünde Dich mit mir!” – Vader spielt auch mit.

 

 

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