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Warcraft: The Beginning

Warcraft – ein Name, der in Spielerkreisen (zumeist) freudiges Gekreische hervorruft.

Die Nostalgiker unter uns heben lobend die Augenbraue und schwadronieren stundenlang über richtungsweisende Strategiespiele, die nicht ganz so alteingesessenen schwärmen kurz von World of Warcraft bevor Sie sich wieder das Headset über den Kopf ziehen. Freilich, auch bei letzteren gilt zumeist: Früher war alles besser. Gespielt wird World of Warcraft seit der Veröffentlichung im Jahr 2004 trotzdem, und zwar millionenfach.

Ich bekenne mich an dieser Stelle schuldig, eher zur ersten Fraktion zu gehören: Obwohl ich WoW zu Beginn gerne spielte, wünsche ich mir seit Jahren ein offizielles “Warcraft 4” und bin etwas verärgert über die Tode vieler lieb gewonnener Charaktere aus dem Warcraft-Universum im Online-Spiel.

Trotzdem, oder gerade deshalb, blickte ich seit Jahren hoffnungsvoll auf den geplanten Film von Warcraft. Leider stand jener unter keinem guten Stern – 2008 angekündigt, wurde 1 Jahr darauf Sam Raimi als Regisseur engagiert, Sam Rodat (“Der Soldat James Ryan”) sollte den Streifen schreiben. Einige Zeit später machte Spielehersteller Blizzard aber von einem Veto-Recht gebrauch, als Raimi/Rodat ihr Skript bei Legend einreichten – es kam zum Zoff und darauf folgend zur Trennung. Der Film lag nun erstmal auf Eis, bis “Moon”-Regisseur Duncan Jones mit einem eigenen Drehbuch um die Ecke kam und Blizzard überzeugte. Der größte Unterschied soll gewesen sein, dass Raimi die Orcs als Bösewichte sah, während Jones eher Abstand von einem Schwarz/Weiß-Verschnitt nahm.

7 Jahre hat es nun also gedauert, über 100 Mio. $ Budget hat der Streifen verschlungen – hat es sich gelohnt?

Der Film beginnt mit der Vorstellung der orcischen Protagonisten Durotan und seiner schwangeren Partnerin, die sich über einen bevorstehenden Kriegszug und die Geburt ihres Kindes unterhalten. Tags darauf schreiten die Orcs, angeführt vom Hexenmeister Gul’dan und Kriegshäuptling Schwarzfaust, durch ein Tor, welches durch die “Fel” genannte Magie hervorgerufen wurde. Das Vorhaben ist die Welt am anderen Ende des Tores zu unterwerfen und als neue Heimat der Orcs zu besiedeln, denn Draenor, die Welt der Orcs, stirbt. Kaum aus dem Portal kommt Durotans -noch- namenloses Kind zur Welt. Nachdem die Orcs nun einiges an Verwüstung angerichtet haben beschließt König Llane nach Rücksprache mit Wächter Medivh, einen Kampftrupp geführt von Ritter Lothar und Ex-Wächterlehrling Khadgar auszusenden um dem ganzen ein schnelles Ende zu bereiten. Nach kurzem, aber heftigem Kampf befreien die beiden auch noch Halb-Orcin Garona, bevor sich schließlich -begleitet von Lothars Sohn Callan, zurück nach Sturmwind reiten. Zuvor gab es übrigens noch kurze Impressionen aus Kharazan, Seenhain, dem Wald von Elwynn und Westfall. Ganz schön viele Namen, was? Während der WoW-Fan freudig auf dem Sessel hüpft, standen mir, obwohl ich alle Spiele gespielt und einige Bücher aus dem erweiterten Universum gelesen habe, die Fragezeichen über dem Kopf. Das alles ging viel zu schnell – zu viele Charaktere, zu viele Orte, zu viele Motive, zu viele Szenenwechsel. Die erste halbe Stunde dieses Filmes macht denselben Fehler wie so viele Bestandteile größerer Filmreihen in den letzten Jahren: Man lässt dem Zuschauer kaum Zeit Bezug zu einzelnen Charakteren und der Welt zu entwickeln, sondern handelt rasch einen Checkpoint nach dem nächsten ab um anschließend darauf aufbauen zu können. Blieb mir auch nur einer dieser Orte in Erinnerung? Sturmwind vielleicht, weil dort noch ein größerer Teil des Films spielt. Vielleicht auch der Turm von Kharazan, der zu Ende des Films Schauplatz eines wichtigen Kampfes wird. Aber sonst? Namen, Namen, Namen, Fanservice. Und am anderen Ende der überforderte und gestresste Zuschauer.

Auch die Charaktere sind durch das enorme Tempo zu Beginn des Films vorerst nur auf Seide gemalt, ohne jegliche Tiefe. Durotan wirkt als einziger Charakter wirklich sympathisch, mit ihm möchte man den Film durchleben – doch die größte Screentime bekommen die hoffnungslos überforderten Travis Fimmel und Ben Schnetzer in Gestalt von Lothar und Khadgar. Hier konnte sich das Filmteam offensichtlich nicht entscheiden, wer von beiden nun der Protagonist auf menschlicher Seite sein sollte. Während Khadgar zweifelsohne im Film die wichtigere Rolle einnimmt, bekommt Lothar deutlich mehr Background, der größtenteils unnütz, kitschig geschrieben und schlecht gespielt ist. Wie miserabel Fimmel den vielleicht härtesten Moment im Leben seiner Figur darstellt, und wie fürchterlich lächerlich die darauf folgenden 5 Minuten inklusive völlig alberner Lovestory sind, geht auf keine Taurenhaut.

Generell ist Warcraft dann am schlechtesten, wenn es um die Beziehungen zwischen der Charaktere geht. Es ist schlicht unglaubwürdig, wie sich die befreite Garona nach kurzer Zeit emotional Lothar und Khadgar öffnet, obwohl sich die drei quasi kaum kennen. Natürlich bindet ihr auch Khadgar direkt seine Hintergrundgeschichte aufs Auge, bevor Garona ihm vorwirft er wolle mit ihr ins Bett steigen, weil er sie angestarrt hätte. Lothar hat hier noch die Aufgabe des sarkastischen Draufgänger-Sidekicks, bevor er im weiteren Verlauf die größten Schicksalsschläge aller Charaktere zu erleiden hat.

Leider hören die Probleme hier nicht auf – man merkt dem Film deutlich Probleme in der Post-Produktion an. Der Film ist schlecht geschnitten, zum Teil springen die Charaktere in gefühlten Sekunden von einem Ende Azeroth’s ans andere, zum Teil springen sie merklich innerhalb eines Raumes. Auch hier findet der Film nie das, was er am dringendsten bräuchte: Ruhe und Zeit. Laufzeit des Streifens sind übrigens 121 Minuten – deutlich zu wenig für den ersten Teil einer geplanten epischen Trilogie. Der letzte Fantasyfilm der mit mir als Zuschauer dermaßen durch das Geschehen “hüpfte”, war Eragon. Und dem hätte ich eine 2/10 gegeben. Und auch nur weil Saphira  aussah (im Deutschen von Sängerin Societytante Nena gesprochen -.- ).

Was bewahrt also Warcraft vor einem totalen Verriss?

Erstens: Man merkt dem Film an, das hier Fans der Vorlage am Werk waren. Die Orte, die Kostüme, die Szenerie – der Film platzt quasi vor Details. Zweitens: Die CGI-Effekte sind überwiegend (aber bei weitem nicht immer) gut. Auch wenn dieser Film wieder zeigt, das ILM mittlerweile den CGI-Thron an Weta Digital abgegeben hat. Drittens: Die Schlachten. Super! Die Kämpfe sind umso besser, je größer sie sind. Hier merkt man komischerweise die Schwächen der CGI von ILM deutlich weniger als in der Darstellung weniger Charaktere – woran liegt’s, ihr Effektspezialisten? Viertens: Die Orcs. Die Orcs sind super – sie sind überwiegend gut geschrieben, sie bleiben größtenteils nachvollziehbar, sie sind gut gespielt. Wenn Durotan mit seinem Säugling spielt oder Dul’gan im Kampf Orc gegen Orc schummelt wirkt das alles immer sehr “echt”. Die Orcs hätte ich mir noch viele weitere Stunden anschauen können – und deshalb wünsche ich mir auch ein Sequel!

Dann aber bitte mit weniger, dafür tieferen Charakteren. Mit ruhigeren Bildern! Lasst uns Zuschauer doch die Schönheit Azeroths bewusst werden! Zeigt uns das Ödnis Draenor! Und gebt uns mehr Spielzeit. Gebt uns Zeit, mit den Figuren zu fühlen, uns mit ihnen zu freuen (Khadgar), zu trauern (Lothar) oder kampfeslustig auf die Brust zu schlagen (Orgrim?).

Alles in allem ist Warcraft: The Beginning ein höchst durchwachsener Film. Die zu schnelle und schlecht geschriebene erste Hälfte ist jedoch Gott sei Dank nur die Vorbereitung auf eine solide zweite Filmhälfte mit tollen Schlachtszenen, vielen Orcs und einem “Endkampf”, über den man gerade so hinwegsehen kann.

 

Deshalb gibt’s für Warcraft: The Beginning von mir immerhin noch

 

6/10

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Mum, Bathroom!
“Mum, bathroom!”
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