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Punch Club

Von der Schwierigkeit des Seins

Punch Club ist derzeit in aller Munde – nicht umsonst kletterte die Produktion des Indie-Studios Lazy Bear Games zwischenzeitlich auf Rang 13 der Steam Sale-Charts.

Zeit also, das “kleine” Spiel mal genauer zu betrachten!

Punch Club 2016-01-24 16-05-46-68Bereits zu Beginn sprüht es hier vor Charme der 80er/90er – Im Intro hagelt es knackige Sprüche, das Setting wird schön klischeebeladen serviert: Euer Charakter wächst in einer behüteten Familie samt Karate-Daddy auf, schnell ist die Idylle dahin – der Vater wird ermordet. Das ganze wird in wenigen Pixelbildern erzählt. Ihr werdet fortan vom Polizisten, der den Mord an eurem Vater untersucht hat, unter die Fittiche genommen. Frank – so heißt der Cop – meldet sich jedoch im weiter laufenden Spiel nur noch als Tutorial-Buddy per Telefon.

Moment mal – Mord? Telefon? Karate? Ich dachte das sei ein Box-Spiel! – Tja, den Fehler habe ich auch gemacht. In Wahrheit ist Punch Club aber eine klasse Life-Sim wie man sie vor Jahren vor allem als Browsergames antraf. Verkleidet in hübschem Gewand, cooler Athmosphäre und einem wahnsinnig knackigen Schwierigkeitsgrad.

Doch machen wir erstmal Schritt für Schritt weiter: Wie uns im Tutorial schnell klar gemacht wird, müssen wir unseren Boxer trainieren, ihn mit Nahrung, Schlaf und Spaß versporgen. So weit, so Maxis. Beim Training sollten wir unseren Kämpfer auf eine Kampfschule spezialisieren: Den Weg des Bären, den Weg des Tigers oder den Weg der Schildkröte. Ersterer ist für Haudraufs, der Tiger ist eher ein schneller Karateka, die Schildkröte ein besonders ausdauernder Kämpfer mit intensiven Kampftechniken.

Fortan müssen wir unseren Kämpfer genau managen: Reicht es am heutigen Tag noch für eine Trainingseinheit? Oder scheffeln wir bei einem der Nebenjobs noch schnell etwas Kohle, um am nächsten Tag endlich das ersehnte Laufband für unseren Trainingsraum kaufen zu können? Oder helfen wir einem Freund, oder flirten mit seiner Schwester? Verdammt – Morgen ist ja schon der nächste Turniertag! Dann nicht’s wie auf’s Sofa und ausruhen.
Tatsächlich sind diese Abläufe nicht immer einfach zu koordinieren und oft sehr stressig. Punch Club macht es einem schwer, den Alltag so zu verbringen wie man gerne möchte. Viel mehr ist man getrieben von der Komplexität die hinter der wunderbar pixeligen (auf Wunsch auch mit “Retro-Scanlines”, wie am Automaten früher!) Fassade steckt.

Und obwohl sich die Abläufe immer wiederholen weiss Punch Club zu fesseln, vor allem auch durch die wenigen aber herrlich schrulligen Charaktere die man so kennen lernt. Hinzu kommt eine wahre Flut an Anekdoten aus den 80ern und 90ern. Herrlich!

Das einzige Manko ist wahrscheinlich das Sounddesign. Lediglich 1 Lied wird immer und immer wiederholt. Das wäre ok, wenn Punch Club ein Spiel für Zwischendurch wäre. Ist es aber nicht. Ich saß neulich Sage und Schreibe 4 Stunden am Stück am Rechner, um meinen Vater zu rächen und nebenbei noch Amanda klar zu machen. Und auch wenn die Musik wie der Rest des Spiels super den Geist alter Kampffilme transportiert – sie nervt.

Trotzdem: Punch Club ist toll. Und macht Spaß. Und deshalb erhält dieses kleine Schmuckstück eine

7,5/10

Cowabunga!

Published inSpiel

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