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The Revenant

Mittlerweile ist Leo DiCaprio’s neuester Anlauf auf den begehrten Oscar auch bei uns in Deutschland angekommen – und wie!

Doch der Reihe nach, bevor ich in meiner Begeisterung alles durcheinander bringe:

Die Geschichte von “The Revenant” ist einfach – Sie erzählt von einem Mann, dem alles genommen wurde und laut eigenen Worten schon gestorben ist, und seiner Suche nach Frieden. Regisseur Alejandru G. Iñárritu stellt diese Odyssee jedoch dermaßen authentisch und mesmerisierend dar, dass es für den Zuschauer in physische Anstrengung ausartet. Selten war ich nach einem Film erschöpfter und hatte das Gefühl, die ganze Zeit nur wenige Zentimeter vom Geschehen entfernt zu sein.

Hier muss jedoch auch davor gewarnt werden, dass dies kein Film für Kinder unter 16 und Zartbesaitete ist. Die Bilder sind in Ihrer Brutalität dermaßen plastisch und real, dass es einem beinahe schlecht wird, wenn hier ein Tier ausgeweidet wird und dort ein Bleichgesicht seinen Skalp verliert. Die Kamera ist immer voll drauf – und dies ist mein wahrscheinlich einziger Kritikpunkt an “The Revenant”. In 1-2 Szenen hatte ich das Gefühl als würde man nochmal einen zerfledderten Leichnam zeigen, nur um mehr Blut ins Bild zu bekommen.

Der Film ist in seiner Prämisse einfach, die Story schnell umrissen. Was den Film so unglaublich gut macht ist das Handwerk und das Spiel aller Beteiligten. Iñárritu versteht es hervorragend Action und Stille in perfekter Gemeinsamkeit zu vereinen. In diesem Augenblick sieht man eine Schlacht von krachender Gewalt, schnelle, heftige Bilder – und im nächsten staunt man über einen Mann der von nichts als Eis umgeben über einen kilometerweit zugefrorenen See stapft.

Das Spiel von DiCaprio ist außergewöhnlich. Physisch, glaubwürdig, mitreißend. Obwohl er kaum etwas sagt und seine Figur mit Sicherheit keinen Sympathiepreis gewinnt, fühlt man jede einzelne Emotion am eigenen Leib. Leonardo DiCaprio ist höchstwahrscheinlich einer der besten Schauspieler unserer Zeit, und bei “The Revenant” in Höchstform. Er wird wahrscheinlich auch diesmal keinen Oscar gewinnen, doch sein Spiel wird noch in Jahrzehnten die Massen begeistern. Tom Hardy hat es hier ein wenig einfacher – er hat mehr Sätze, sein Charakter ist klarer umrissen. Das er ein wahnsinnig ausdrucksstarker Darsteller ist hat er nun schon einige Male gezeigt (als “Bane” in “The Dark Knight rises” mit nicht als seinen Augen und Händen, als “Mad Max” ohne große Sätze zu sprechen), und auch diesmal verleiht er seinem Charakter eine gewisse Tiefe. Teilweise mag man sogar nachvollziehen, warum er nun tut was er tut. Vielleicht eher als bei seinem Gegenspieler “Glass”. Auch der Rest vom Cast macht seine Arbeit überzeugend, nie überspielt.

Kommen wir nun aber zum wahren Meisterstücks dieses Films – Die Kamera und der Schnitt. Ich habe noch nie (NIE NIE NIE) einen Film gesehen bei dem ich schlichtweg nicht nachvollziehen konnte wie einige Szenen gedreht wurden. Chivo Lubezki als Kameramann hat schon in Birdman wahnsinnig überzeugt, und auch Stephen Mirrione, der für den Schnitt verantwortlich war, ist bereits mehrfach ausgezeichnet. Doch was hier geleistet wurde könnte in die Geschichte des Films eingehen. Durch deren Arbeit wird dieser Film erst zu dem, was er ist – überwältigend. Und das meine ich im ursprünglichsten Sinne dieses Superlativs. The Revenant spült mit seinen Bildern über den Zuschauer, wie eine wütende Brandung über die Felsküste. Man sieht die Bilder auf sich zu rollen, man taucht in ihnen ein, wird von ihnen umgeben – und Schnitt. Jedes einzelne Bild dieses Films ist reinster Anschauungsunterricht für Filmstudenten. Und ein wahrer Genuß für jeden Filmliebhaber.

Das Sounddesign und die Animationen sind zurückhaltend und minimalistisch. Sonst würde der Film wahrscheinlich in seiner Gänze an Atmosphäre verlieren. Nur ein kurzer Satz zur wohl vorhanden Kritik am “Bärenkampf”: Wie man hier von einem schlechten Schnitt und schlechten Animationen sprechen kann ist mir absolut unverständlich. Wer hier Fehler findet, der will Fehler finden.

In seiner Gesamtheit ist The Revenant ein Meisterwerk des Films – zugleich jedoch harter Tobak.  Manchmal jedoch zu hart, und selten ein wenig zu aufdringlich.

Meine Wertung:

9/10

 

PS: Wer am Hintergrund dieses Films interessiert ist, der möge auf Wikipedia mal nach Hugh Glass recherchieren. Spannend!

Published inFilm

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