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Allein, allein: Civilization VI Tagebuch (Teil 1)

Im ersten Teil meines Civilization 6 – Tagebuchs, welches der Geschichte meines glorreichen Sieges (oder erbärmlichen Niederlage) folgen wird, beschreibe ich die ersten 100 Runden sowie einige grundlegende Regeln sowie Neuerungen des neuen Strategie-Hits von Firaxis.

Harald Hardrada, mächtiger König der Meeresnomaden Norwegens, ist offensichtlich sauer. Nicht nur, dass ich ihm den Zugang zu meinem Reich verschließe, indem ich seinen Spähern den Grenzübergang untersage, ich erdreiste mir auch ihm ein Wunder nach dem nächsten vor seinem bärtigen Antlitz weg zu schnappen – wir schreiben das Jahr 375 vor Christi Geburt und mein florierendes Reich ist bereits dabei sich den ersten mächtigen Feind zu machen. Doch lasst uns von vorne anfangen.

Ich entschied mich als Nation für die Japaner, da sie nicht nur über starke Standard- (+5 Kampfstärke aller Einheiten) sowie Spezialeinheiten (Samurai!) verfügen, sondern zudem schnell triforcelinkBezirke bauen können – eines der augenscheinlich wichtigsten neuen Features in “Civ 6”. Außerdem hat unser Führer Hojo Tokimune schicke Trifoce auf seinem Poncho.

Seide, Barbaren und ein Monument

Unsere Nation erwacht – wie immer – im Jahre 4000 vor Christus mit einem Siedler und einem Krieger. Während wir unsere tapferen Stammeskrieger auf Erkundungsreise schicken, um mehr über unseren Kontinent Rodinia zu erfahren, lassen sich unsere Siedler am erstbesten Fleckchen nieder: Kyoto wird von jetzt an der Eckpfeiler unserer glorreichen Herrschaft sein. In tausenden Jahren wird man noch über die glorreiche Metropole schreiben, deren Anfänge im Seidenhandel und Krabbenfang lagen. Hoffentlich.

Während unsere Dorfbewohner noch die letzten Baumstämme für ihre Behausungen fällen, rennt ein junger Japaner schreiend zur Dorfmitte: “Bar…Barbaren..!!” – blutüberströmt, von Bisswunden übersät, sackt der junge Mann zusammen. Panik kommt auf, am Horizont sieht man einen Fremden mit einem wolfsähnlichen Geschöpf in den nahe gelegenen Wald huschen. Wir schicken ihm unsere Krieger auf den Leib – und finden ihn schließlich in Runde 6. Er besetzt ein Dorf, flüchtet jedoch beim Anblick unserer keulen-schwingenden Muskelprotze. Das Dorf überlässt uns aus Dankbarkeit eine Kiste, gefüllt mit glänzendem Gestein. Gold! Etwas, das wir im weiteren Verlauf noch bitte nötig haben werden.

Immer noch schockiert von der Brutalität der Barbaren entschließe ich mich, einen eigenen Späher auszubilden und in die Welt zu schicken. Unsere Krieger erschlagen derweil an der nördlich von Kyoto gelegenen Küste den barbarischen Späher. Als die frohe Kunde unser Dorf erreicht, errichten die Dorfbewohner zur Feier ein Monument. Dieser Tag (Runde 10) wird als Feiertag in die Geschichte unseres Volkes eingehen: Wir zeigen Stärke, Forschungswille und Erfindungsgeist – denn unsere Dorfbewohner haben das Segeln erforscht!

Politik, Shmolitik..

Kyoto wächst – und damit auch die Probleme die eine Gemeinschaft mit sich bringt. Schnell wird unseren Dorfältesten klar das eine Struktur von Nöten ist. Von nun an gilt bei uns die Politik des “Stammesfürstentums“: Ein glorreicher Herrscher (Ich) wird zukünftig über die politischen Geschicke unseres Volkes entscheiden. Als erste politische Grundsätze wähle ich einen Stärkebonus gegenüber Barbaren sowie eine effizientere Produktion in allen Städten. Also Kyoto.

Unser Späher stieß in diesen Tagen endlich in die Wüste im Nordwesten Kyotos vor, eilte jedoch schnell zurück um wichtige Nachricht in unsere Stadt zu bringen: Er hatte das Lager der niederträchtigen Barbaren entdeckt, die die Dörfer auf unserem Kontinent ausraubten und unsere Landsmänner töteten. Nun sollte sich also der frische Bonus beim Kampf gegen Barbaren bezahlt machen. Verschanzt mit Schleuderschützen und Soldaten mit langen, spitzen Waffen, die wir noch nie zuvor erblickt hatten, lieferten sie unseren Kriegern zwar einen harten Kampf, schlussendlich konnten wir das Barbarendorf jedoch zerschlagen und der Tyrannei vorerst Einhalt gebieten (Runde 23).

Um nicht ins Schlachtengetümmel zu kommen konzentrierte sich unser Späher zeitgleich auf die Erkundung südlich Kyotos, und erblickte bei einem Streifzug an den südwestlichen Klippen Ufer am Horizont! Ein neuer Kontinent namens Pangaea Ultima war entdeckt und regte unsere Phantasie von fernen Gestaden an.

Japan wird erwachsen

Mittlerweile hatten wir durch Handwerker, die in Civilization 6 standardmäßig nur noch 3 Aktionen ausführen dürfen, die Ressourcen rund um Kyoto ergründet. Im Norden wurde eine Seidenfarm erbaut – diese versorgte die Bürger Kyotos mit feinen Gewändern und unsere Krieger mit leichter, dennoch robuster Rüstung – genannt Kote. Im Süden wurde eine Reisplantage errichtet, westlich wurde Getreide geerntet und in der Ostbucht Krabben gefangen.

So wuchs unser Volk – und bald musste festgestellt werden, dass zu wenig Platz war. Expansion war angesagt – das Kind musste nun erwachsen werden. Also entschlossen die weisen Männer Japans (ich) dass ein Siedler ausgebildet werden musste. Doch wo sollte der zweite wichtige Schritt zur Weltmacht erfolgen? An der südlichen Küste? Dort gab es Sümpfe und Wälder, jede Menge fruchtbaren Boden. Oder im Norden, wo unsere Krieger noch vor kurzem die Barbaren ausgemerzt hatten? Es zeigte sich dass nördlich der Wüste die Fauna ungeahnte Ausmaße annahm, einige der dort entdeckten Tiere gaben sogar Milch und schmackhaftes Fleisch!

Doch wieder einmal sollte unser Späher den ausschlaggebenden Impuls geben. Nachdem der Barbarenstamm vertrieben war, erforschte er die Küste östlich Kyotos – eine Halbinsel, die ihren langen Arm zum Norden streckte und kupferreich war! Dort traf unser Späher in Runde 29 auf einen kleinen Stamm, der so beeindruckt war das er uns mit einem heiligen Artefakt, dem Buch Thoth, beschenkte und sich unserem Volk anschloss. Dieser Ort erschien mir gut, um den nächsten Schritt zu machen. Ressourcen gab es reichlich (Wale, Krabben, Kupfer, Vieh/Milch, Gestein) und die Halbinsel sollte leicht zu verteidigen sein.

Durch das Buch Thoth durften wir endlich unser Pantheon begründen – der Glaubensgrundsatz der Japaner sollte in Zukunft die “Religiöse Siedlung” sein. Dies bescherte uns eine 15% schnellere Grenzerweiterung. Dies sollte unsere Expansion begünstigen, zudem bringen die anderen Glaubensgrundsätze hauptsächlich religiöse Boni, und mein japanisches Volk sollte sich nicht mit Gebeten und anderem Spaghettimonsterkram vom Forschen und Erkunden abbringen lassen.

Allein auf weiter Flur

Was mich als erfahrenen Civ-Spieler jedoch stutzig machte war, dass ich bisher auf keine andere Zivilisation gestoßen bin. Bis auf die räudigen Barbaren und die unterwürfigen Dorfbewohner ließ sich niemand blicken. Ich schickte also unseren Späher mitsamt Kriegereskorte (man kann nun “Eskorten” bilden, d.h. militärische Einheiten mit anderen verbinden um deren Sicherheit zu gewährleisten) gen Norden. Doch auch runden tagelanger Wanderung in den nördlichen Kuhweiden ließ sich niemand blicken – gut, dann siedeln wir da eben bei Gelegenheit auch noch.

In Runde 36 findet unser Späher jedoch verdächtige Fußspuren – die Reise geht weiter gen Norden. Schon kurz darauf entdecken wir (schon wieder) einen Späher der Barbaren! Wo kommt der denn jetzt her? Selbstverständlich nimmt er angesichts unserer mittlerweile aufgepimpten (nach Beförderung +7 Kampfstärke) Krieger die Beine in die Hand. Wenig später wird er gestellt und enthauptet – doch statt den Sieg zu feiern, erstarren unsere Krieger in Ehrfurcht vor den riesigen Gletschergipfeln die das Ende unserer Erkundungsreise auf dem eigenen Kontinent bedeuten sollen: Wir haben das Ende der Welt (respektive der Spielkarte) erreicht! Das heißt…wir sind allein. Oder?

Mein Hause, meine Straße, mein Block.

Da Rodinia unser ist, gilt es sich breit zu machen um die Ressourcen dieses wunderschönen Kontinents komplett zu nutzen. Mit Shizuoka wurde unsere zweite Stadt gegründet, auch hier war das erste Bauvorhaben ein Monument um den Kulturertrag unserer Nation zu erhöhen. In Kyoto begann das Volk mit dem Bau der hängenden Gärten , welche uns eine noch bessere Grenzausdehnung gewähren sollten. Die folgenden Jahre (Runden) sollten gezeichnet sein von Frieden und dem Willen großes zu schaffen – auch Shizuoka begann mit dem Bau eines Wunders – den Pyramiden.

Die Pyramiden sind mein Lieblingswunder seit Civilization 3. Sie bescheren uns handwerkliche Boni die riesige Vorteile beim Bau der Infrastruktur mit sich bringen. In Civilization 6 bescheren uns die ägyptischen Pyramidalbauten einen kostenlosen Handwerker, zudem dürfen unsere Handwerker in Zukunft 4 Aktionen (Standard sind 3) durchführen.

Da mein japanisches Reich mit dem Wunderbau beschäftigt ist, schröpfe ich ein wenig die Staatskasse um 2 Handwerker anzuwerben. Indem wir alle uns möglichen Ressourcen erschließen und bewirtschaften wollen wir das Volk glücklich machen und die Produktion hoch halten.

In Runde 70 sind schließlich die hängenden Gärten fertig – doch seht selbst:

 

Die hängenden Gärten von Kyoto
Die hängenden Gärten von Kyoto.

 

“Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis.”

So gemütlich es auf Rodinia auch ist – ewig wird unser Glück hier nicht gewähren. Sicher, das Volk wird wachsen, unsere Kultur wird blühen – doch was wenn die Ressourcen unseres Inselreichs knapp werden? Außerdem war ich schon immer ein kleiner Abenteurer – wir müssen raus und wissen was sich hinter dem Horizont versteckt!

Einen kleinen Anhaltspunkt haben wir ja: Die gegenüber liegenden Klippen des Nachbarkontinents Pangaea Ultima, auf denen wir zudem vor kurzem einigen Barbaren erblickt haben. Um uns einen besseren Überblick über die Situation dort verschaffen zu können, beschließe ich eine Galeere zu bauen. Auf zu neuen Ufern!

Nebst unserer mächtigen Nußschale wird in Runde 74 noch etwas fertiggestellt: Die schlauen Köpfe unseres Staates haben die Politische Philosophie erfunden! Dies katapultiert Japan ins Zeitalter der Klassik.

Nebenbei gründen wir zudem noch Nagoya südlich von Kyoto. Warum dort? Ganz einfach: Wenn WIR übers Wasser schippern können, können das anderen vielleicht auch. Und ich werde den Teufel tun und unseren Kontinent mit irgendwelchen Wilden teilen. Alles meins! Durch den Verbund von Kyoto und Nagoya besiedeln wir eine große Fläche und sichern uns die wichtigen Wasserressourcen im südlichen Gewässer, Wale, Fische und Krabben.

Schiff steu’bo’d vo’aus!

Während unsere Galeere gemütlich in der Gegend herumtuckert müssen wir feststellen, das Pangaea Ultima vorerst kein riesiges Festland ist – sondern nur eine popelige Insel die einen kleinen Barbarenstamm beherbergt. Aufgabe erkannt: Platt machen, besiedeln und domestizieren! Bei unserem Vorhaben erblickt unsere Galeere plötzlich etwas unglaubliches: Ein fremdes Schiff! Während ich mich im Kopf schon panisch auf einen Krieg vorbereite (Ghandi lässt grüßen…) klopft es an die Tür unseres imaginären Thronsaals und herein kommt kein anderer als Harald Hardrada selbst, König der Norweger, groß wie ein Baum , bärtig wie Barbarossa und … erstaunlich freundlich. Neben seiner besten Wünsche lässt er uns gleich noch einige mächtige Runen als Nachbarschaftsgeschenk da. Das soll er sein, der größte aller Wikinger? Der Tyrann der Meere? Irgendwas führt der doch im Schilde …

In Runde 93 sind schließlich unsere mächtigen Pyramiden fertig. Puh, jeder Civspieler kennt das Gefühl, wenn ein Wunder kurz vor Fertigstellung von einer anderen Nation zuerst gebaut wird: Alles für den A****.

Die mächtigen Pyramiden von Shizuoka.
Die mächtigen Pyramiden von Shizuoka.

Im Norden entdeckt unsere fleißige Galeere das nächste fremde Volk: Einen Stadtstaat namens La Venta. Eine religiöse Siedlung, die mit einer Bitte an uns heran tritt – wir sollen ein Kriegswerkzeug namens “Ka-ta-pult” erfinden und bauen. Ich vermute, der gute Harald hat sich dort schon Freunde gemacht. Ganz wie ich es mir gedacht habe.

Kurz darauf besitzt der bärtige Verbrecher auch noch die Dreistigkeit mit weiteren Geschenken an uns heranzutreten. Er möchte offene Grenzen zwischen unseren Völkern UND bietet uns 30 Goldstücke! Wahrscheinlich geklaut von friedlichen Dorfbewohnern… Doch sein Blutgeld kann dieser helmtragende Despot für sich behalten! Ich lehne selbstverständlich ab und befördere ihn hochkant aus meinem Thronsaal hinaus. Um unsere Gebietsansprüche zu untermauern habe ich kurzerhand einen Siedler mit der Aufgabe betraut, eine prächtige Stadt auf Pangaea Ultima zu errichten. Diese Ecke der Welt gehört MIR!

Fortsetzung folgt…

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